Das Echte Johanniskraut

Das Johanniskraut ist die Tochter des Lichts. Es blüht rund um die Sommersonnenwende (20./21. Juni), den längsten Tag des Jahres. Man sagt, dass es das gesamte Sonnenlicht dieser hellen Zeit in sich trägt und deshalb so besonders heilkräftig ist. Diese Kraft spiegelt sich im Johanniskrautöl wieder, welches unzählige Anwendungsmöglichkeiten hat. Ein Rundumtalent für die Natürliche Hausapotheke!

Johanniskrautöl

Es gibt verschiedene Johanniskraut Arten, die sich sehr ähnlich sehen. Als Heilpflanze besonders wirksam ist das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum). Deshalb wird es bevorzugt für als Arzneipflanze und für die Herstellung des Johanniskrautöls verwendet. Wie du es ganz eindeutig von anderen Johsnniskrautarten unterscheidest erfährst du hier:

Johanniskraut erkennen

Das Echte Johanniskraut erkennst man an folgenden eindeutigen Erkennungsmerkmalen:

1.) Der Stängel hat 2 Kanten
(Manche andere Arten haben 4 Kanten)
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2.) Wenn man durch das grüne Blatt schaut sieht man weiße Punkte (Das sind kleine Ölbehäter, die das ätherische Öle beinhalten). Am Rand des Blatts befinden sich schwarze Punkte.
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3.) Wenn man eine Blüte oder Knospe zwischen den Fingern zerreibt färbt es die Finger rot.
(Das ist der rote Pflanzenfarbstoff und gleichzeitig wichtige Wirkstoff: das Hypericin)

Wirkung des Johanniskrauts

Tatsächlich ist der heilsame Wirkstoff der rote Farbstoff, der sich in der gesamten Pflanze, besonders in den Blüten befindet: das Hypericin. Aber auch andere Wirkstoffe spielen eine wichtige Rolle, wie das entzündungshemmende und antibakterielle Hyperforin und verschiedene Flavonoide.

Innerlich angewendet, als Tee, Tinktur oder meistens als Fertigpräparat wirkt das Johanniskraut wunderbar stimmungsaufhellend und beruhigend. Es wird gegen leichte bis mittelschwere Depressionen und nervöse Beschwerden genutzt. Allerdings braucht man Geduld, denn die volle Wirkung tritt erst nach zwei bis vier Wochen der Einnahme ein. Und man sollte vorsichtig sein wenn man gleichzeitig andere Medikamente einnimmt, da es deren Wirkung beeinflussen kann. Außerdem macht Johanniskraut bei innerlicher Einnahme unsere Haut etwas lichtempfindlicher. Also die Haut gut vor der Sonne schützen.
Aus den Blüten (den blühenden Triebspitzen) des Johanniskrauts macht man eines der besten Wundöle überhaupt, das Johanniskrautöl, auch Rotöl genannt. Es wirkt schmerzlindernd, entzündungshemmend und wundheilend und wird auf Wunden (auch zur Vorbeugung von Narben) leichte Verbrennungen und entzündlicher Haut zur Linderung aufgetragen.

Herstellung Johanniskrautöl

Damit man ein möglichst breites Spektrum an Inhaltsstoffen abdeckt verwendet man für die Herstellung des Öl verschiedene Pflanzenteile:

  • Den Hauptanteil bilden die gelben Knospen und die bereits erblühten Blüten – in ihnen befindet sich besonders viel Hypericin (roter Pflanzenfarbstoff) und Flavonoide.
  • Man verwendet auch die noch grünen Früchte – in ihnen ist ein hoher Anteil (4%) an entzündungshemmendem Hyperforin. Die Früchte bilden sich dort, wo die Blüte bereits verblüht ist als kleine eiförmige Kapsel.
  • In geringerem Maße fügt man auch die grünen Blätter zum Öl – in ihnen befinden sich noch andere Inhaltsstoffe, wie das ätherisches Öl.
Johanniskraut

Johanniskraut richtig sammeln

Um alle wertvollen Pflanzenteile für das Johanniskrautöl zu sammeln empfiehlt es sich, zu warten, bis das Johanniskraut bereits teilweise verblüht ist, im Juli. An einer Pflanze findet man meist gleichzeitig Blüten, Knospen und (dort wo die Blüten schon braun sind) noch grüne Früchte. Sammle die oberen 5 cm der Pflanze an einem sonnigen Tag und verarbeite sie frisch. Bitte auf keinen Fall waschen um möglichst wenig Wasser ins Öl zu bringen.

Tipps zum Sammeln von Wildkräutern

Den Ölauszug herstellen

Die frisch gesammelten Pflanzenteile werden möglichst klein geschnitten und in ein ausgekochtes, trockenes Schraubglas gefüllt, so dass dieses zu 2/3 damit voll ist. Nun füllt man das Glas mit einen hochwertigen, lange haltbaren Pflanzenöl (z.B. Olivenöl oder Sonnenblumenöl ) bis knapp unter dem Rand voll. Für die ersten 5 Tage deckt man das Glas mit einen luftdurchlässigen Baumwolltuch ab und rührt die Mischung regelmäßig um, damit noch vorhandenes Wasser entweichten kann. Achte darauf, dass immer alle Pflanzenteile gut mit Öl bedeckt sind um Schimmelbildung zu vermeiden! Danach verschließt man das Glas und lässt es an einem warmen, schattigen Ort noch weitere 5 Wochen ausziehen. Während dieses Zeit schüttelt man die Ölmischung regelmäßig und öffnet hin und wieder vorsichtig den Deckel um möglicherweise entstandenes Kondenswasser vom Inneren des Deckels zu wischen. Nach der Ausziehzeit filtriert man das Öl durch ein feines Sieb und lässt es dabei mehrere Stunden abtropfen. Das fertige Öl sollte eine tiefrote Farbe haben. Man füllt es in eine saubere Flaschen und bewahrt es licht-geschützt (!) und kühl auf. Haltbarkeit: 1 Jahr

Johanniskrautöl

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Anwendung Johanniskrautöl

Johanniskrautöl wirkt entzündungshemmend, wundheilungsfördernd, antibakteriell und schmerzlindernd. Aus dem Öl lässt sich auch eine Salbe herstellen. Klassische Anwendungsgebiete sind:

  • Als Wundheilöl auf verschlossenen Wunden, auch unterstützend für gute Narbenbildung. Vorsicht: fette Öle dürfen nicht auf offene Wunden gegeben werden, sondern nur auf den Wundrand bzw. auf bereits geschlossene Wunden.
  • Beil leichten Verbrennungen und Sonnenbrand wirkt es schmerzstillend und beruhig die Haut. Abends anwenden.
  • Gegen Wundliegen
  • Als Pflege für Ekzeme und entzündliche Haut
  • Bei stumpfen Verletzungen: Prellungen, Verstauchungen, blaue Flecken und Blutergüsse
  • Bei Nervenschmerzen, Hexenschuss und Rheuma.
  • Innerlich hilft es bei Reizmagen und unterstützt begleitend zu anderen Maßnahmen die Ausheilung von Magen-Darm-Geschwüren. (3 x täglich 1 Teelöffel als Kur für begrenzte Zeit.)

Lavendelölmischung: Um die Wirkung des Johanniskrauts noch zu verstärken mischt man 20 Tropfen ätherisches Lavendelöl mit 50 ml Johanniskrautöl.

Achtung: Bei der Anwendung von Johanniskraut auf der Haut sollte man danach die direkte Sonneneinstrahlung meiden, da es die Haut vermutlich lichtempfindlicher macht. Bei innerlicher Anwendung sollte man die Haut stärker als normal vor Sonnenlicht schützen, da durch die Einnahme von Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit der Haut steigt.

Warum stellt man das Johanniskrautöl zum Ausziehen nicht in die Sonne?

Man liest immer wieder, dass man Johanniskrautöl in der direkten Sonne ausziehen lässt, da die Sonne die Wirkung verstärkt. Ich persönlich konnte mir noch nie erklären, was der Grund für diese traditionell überlieferte Herstellungsart ist. Alle anderen Ölauszüge werden zwar warm, aber im Schatten und keinesfalls zu heiß hergestellt. Das Joahnniskrautöl stellte hier immer eine Ausnahme dar. Neue Untersuchungen der Universtität Freiburg ergaben jedoch, dass die direkte Sonneneinstrahlung das Hyperforin zersetzt und somit einen negativen Einfluss auf die Wirksamkeit des Öls hat. Daher empfiehlt sich das Johanniskraut zwar warm, aber im Schatten bzw. im Dunkeln oder zumindest in einem lichtgeschützten Gefäß auszuziehen.

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Haftungsausschluss: Jede Anwendung der hier genannten Rezepte muss im Vorfeld mit einem Arzt abgeklärt werden. Die Anwendung von Heilpflanzen ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Die Autorin übernimmt keine Verantwortung für mögliche folgen einer Anwendung. Nicht für Schwangere, stillende Mütter und Kleinkinder geeignet.